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Sternebetrug: Der falsche Glanz der Hotelsterne

Bild HotelsterneFür viele Urlauber sind Hotelsterne eine wichtige Orientierung bei der Wahl der Unterkunft. Sie repräsentieren Qualität und Ausstattung eines Hotels. In Deutschland wird allerdings immer häufiger bei den Angaben gemogelt. Eine neue Reportage hat den dreisten Sternebetrug jetzt aufgedeckt.

In Deutschland hat seit 1996 ausschließlich der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband e. V. (DEHOGA) das Recht, offizielle – das heißt die einzig gültigen, „echten“ – Hotelsterne zu vergeben. Die Klassifizierung erfolgt anhand klar festgelegter Kriterien und bleibt drei Jahre lang gültig. Bekanntlich reicht sie von einem Stern (einfach) bis hin zu fünf Sternen (luxuriös); zudem gibt es innerhalb einer Kategorie noch das Zusatzprädikat „Superior“. Die Teilnahme am Sterne-System ist allerdings freiwillig und kostenpflichtig. Bis zu 2.000 Euro kann eine dreijährige Klassifizierung kosten.

Jedes vierte Hotel wirbt mit falschen Sternen

Wie nun Reporter des ZDF offengelegt haben, schmücken sich viele Hotels mit Sternen, die sie tatsächlich überhaupt nicht besitzen. Grundlage ist eine Überprüfung von insgesamt 1.000 Unterkünften in zehn deutschen Städten, die auf ihrer Internetpräsenz mit drei, vier und fünf Sternen werben. Das Resultat: 251 der 1.000 getesteten Hotels verfügten über keine offizielle Bewertung durch die DEHOGA. Stattdessen lockten sie ihre Gäste mit Sternen, die sie sich entweder selbst verliehen haben oder die längst abgelaufen waren. Hochburg des Sternebetrugs ist Köln mit 34 Prozent irregulärer Klassifizierungen. In München sind es 25 Prozent, in Berlin immerhin zehn Prozent.

Deutliche Kritik am DEHOGA-System

Die falschen Hotelsterne sind für Buchende irreführend und deswegen rechtlich verboten. Viele Hotelbetreiber setzen sich aber offensichtlich einfach darüber hinweg. Wie kann das sein? Experten wie der Tourismuswissenschaftler Martin Linne hegen starke Zweifel an der Verlässlichkeit des Vergabe-Systems der DEHOGA. Dieses sei „lasch“ und „inkonsequent“, sodass es auf eben diese Art und Weise „missbraucht und verwässert“ werde. Auch mangele es an einer systematischen Kontrolle durch den Interessenverband der Gastwirtschaft. Folgende Aspekte werden als unzulänglich angeprangert:

– nur stichprobenartige Prüfung der Angaben im Erhebungsbogen,
– viel zu schwammig formulierte Bewertungskriterien,
– Quantität statt Qualität im Fokus,
– fehlende Vergleichbarkeit innerhalb der Sternekategorien.

In der Konsequenz müssten selbst „echte“ Hotelsterne hinterfragt werden. Denn die deutliche Kritik am DEHOGA-System legt generell eine geringe Aussagekraft der Klassifizierungen nahe.

Bild Hotelbewertungen nutzenTipp: Hotelbewertungen anderer Gäste lesen

Wenn es für Gäste sowie kaum ersichtlich ist, ob es sich um „falsche“ oder „echte“ Sterne handelt, wie können sie sich dann vor bösen Überraschungen im Hotel schützen? Eine Möglichkeit ist, gezielt auf der Website der Deutschen Hotelklassifizierung nach der Zahl der offiziellen Sterne einer Einrichtung zu suchen. Noch besser ist es, sich aktuelle Hotelbewertungen von Gästen online anzuschauen. Je mehr vorliegen, umso verlässlicher und realistischer lässt sich eine Unterkunft einschätzen. Und dann wählt man besten ein Hotel, das in den Gesamtbewertungen sehr gut abschneidet und auch von den Gästen in ihrer individuellen Erfahrung als gut beschrieben wird. Das ist auch für Hotels im Ausland ein guter Tipp, denn dort werden Sterne oft auf Grundlage anderer Kriterien vergeben.

Wer weiterführende Informationen zum Thema benötigt, wird im folgenden Video fündig:

Quelle: YouTube/Nicolas Muller

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