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Kulturgut: Venedig lagert Kreuzfahrtschiffe aus

Bild Kreuzfahrtschiffe in VenedigVenedig ist eines der beliebtesten Städtereiseziele der Welt, die Zahl der Übernachtungen steigen seit Jahren. Und auch die Tagestouristen werden immer mehr. Weil gerade letztere häufig mit Kreuzfahrtschiffen anreisen, hat die Stadt ein echtes Problem.

Mehr als 30 Millionen Besucher im Jahr zählt Venedig mittlerweile. Dabei sinkt die Zahl derer, die länger in der Stadt bleiben zugunsten derer, die nur kurze Zeit in Venedig verbringen. Viele der Tagestouristen kommen mit den Kreuzfahrtriesen in die Lagunenstadt – und reisen am Abend wieder ab.

Kreuzfahrtschiffe bedrohen historischen Stadtkern

Venedig will deshalb den Kreuzfahrtschiffen den Kampf ansagen oder ihren (negativen) Einfluss auf die Stadt zumindest beschränken. Denn zu viele der großen Kreuzer ankern im Sommer in der Lagune, blasen ihre Abgase in Richtung der ohnehin schon angeschlagenen Bausubstanz Venedigs. Zudem verstärkt der Schiffsverkehr den Wellengang und erhöht den Wasserspiegel in der Stadt. Nicht zuletzt weil viele Kapitäne bewusst so nah wie möglich am Ufer vorbei navigieren, um ihren Passagieren die schönste Ansicht von Venedig bieten zu können. Doch diesen Preis will man allein für die Tagestouristen in Venedig wohl nicht bezahlen. Und so haben Vertreter von Stadt und Region in Abstimmung mit der italienischen Regierung beschlossen, dass Kreuzfahrtschiffe bald nicht mehr vor dem Zentrum von Venedig liegen dürfen, sondern den Hafen von Marghera ansteuern lassen, das sich auf dem Festland befindet. 18 Monate hat es gebraucht, bis die Vereinbarung so getroffen werden konnte. Doch Umweltschützer zeigen sich eher weniger zufrieden mit dem Ergebnis, das am Dienstagabend zustande gekommen ist.

Neue Anlaufstelle für Kreuzfahrtriesen

Konkret wurde beschlossen, dass Schiffe über 55.000 Tonnen den Hafen von Marghera anlaufen müssen. So weit, so gut. Doch Umweltaktivisten kritisieren, dass sogar Mega-Kreuzer mit mehr als 96.000 Tonnen in die Lagune einlaufen können, wenn sie auch nicht direkt am Zentrum von Venedig vorbei schippern dürfen. Aktuell gilt jedoch ein Verbot für die allergrößten Kreuzfahrtschiffe in der gesamten Lagune. Hinzu kommt: Ein passendes Kreuzfahrtterminal in Marghera muss erst noch gebaut werden. Bis dahin kann es noch drei oder vier Jahre dauern und Kreuzfahrtschiffe dürfen weiterhin in nächster Nähe zum historischen Markusplatz anlegen. Es steht noch aus, ob es zudem noch einen anderen Zufahrtsweg in Richtung der Lagunenstadt gibt. So bleibt abzuwarten, ob die Maßnahmen wirklich zu einer Verbesserung der Situation beitragen.

Venedig im Kampf gegen Overtourism

Schon lange klagen nicht nur die nunmehr weniger als 55.000 Einwohner in Venedig darüber, dass schlich zu viele Touristen in der Stadt unterwegs sind. Auch Umweltschützer befürchten, dass das sensible ökologische Gleichgewicht durch die Schadstoffe weiter gestört werden könnte. Nicht zuletzt hat sogar die UNESCO selbst davor gewarnt, der Stadt ihren Titel als Weltkulturerbe abzuerkennen. Bürgermeister Luigi Brugnaro steht dagegen eher auf der Seite des Tourismus und sieht die zahlreichen Besucher als Wohlstandsfaktor für die Stadt. Dementsprechend zufrieden ist der Stadtobere mit dem erreichten Beschluss. Neben der Auslagerung großer Kreuzfahrtschiffe gibt es in Venedig auch weitere Überlegungen, die Stadt als Kulturgut zu schützen. So könnte etwa der Zugang zum Markusplatz nur noch nach Online-Reservierung oder gar Ticketkauf erlaubt werden.

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